27.9.17

Ayon Maharaj: In the footsteps of Vivekananda (e/d)

In February 2017, the German Consul General in Kolkata invited former Indian guest scientists from a wide variety of disciplines who had enjoyed scholarships for research stays in Germany and other intellectual friends of Germany to a lecture followed by an evening reception. The guests were mainly composed of engineers and natural scientists, mostly professors from colleges and universities in the region.

A young man in white monk's robe with shaved head stood out in the crowd of suit wearers. His open and friendly face made it easier to get acquainted. He didn't have a business card, he hinted at empty pockets. Between courses at the buffet, he told a casual and carefree story: Bengali roots, grew up in the USA, studied philosophy at Berkeley, studied philosophy in Berlin for one year and currently a monk and professor of philosophy at Ramakrishna University in Belur Math. Respect grew - to enter the field of philosophy unprepared was too risky. The name was easy to remember: Ayon Maharaj. At the table, it remained small talk, funny jokes and casual conversation with the professors.

What motivates the young man from the US to study German and Indian philosophers?

A few days later, Google delivers more information:
Ayon Maharaj is Assistant Professor and Head of the Department of Philosophy at Ramakrishna Mission Vivekananda University in Belur Math. He is a Brahmacharin, with the name of Buddhachaitanya, in training to be a Sannyasin monk of the Ramakrishna Order. His current research focuses on cross-cultural philosophy, philosophy of religion, German philosophy, Indian philosophy, Indian scriptural hermeneutics, and the philosophies of Sri Ramakrishna, Swami Vivekananda, and Sri Aurobindo (philosopher and guru, founder of an ashram in Pondicherry, south of Chennai).

Ayon Maharaj wrote the book “The Dialectics of Aesthetic Agency: Revaluating German Aesthetics from Kant to Adorno”. His articles have appeared in well renowned journals.
Ayon received his BA (2002) and PhD (2009) from the University of California, Berkeley. He was a Fulbright Scholar at the Institut für Philosophie der Humboldt-Universität Berlin (2006-2007) and a Visiting Student at Magdalen College, University of Oxford (2000-2001).

He is nearing completion of a second book project. The young man explores the paths of some of the most important German and Indian thinkers and beyond.  He has agreed to meet the group of visitors of the Indo-German Art Forum during the trip to Belur Math for a casual conversation.

Ayon Maharaj
German
Im Februar 2017 lud der der deutsche Generalkonsul in Kolkata ehemalige indische Gastwissenschaftler der unterschiedlichsten Fächer, die Stipendien für Forschungsaufenthalte in Deutschland genossen hatten und andere intellektuelle Freunde Deutschlands, zu einem Vortrag mit anschließendem Abendempfang. Die Gäste setzten sich überwiegend aus Ingenieuren und Naturwissenschaftlern zusammen, meist Professoren von Colleges und Universitäten der Region.

Ein junger Mann in weißem Mönchsgewand mit kahlgeschorenem Kopf fiel in der Menge der Anzugträger auf. Sein offenes und freundliches Gesicht erleichterte es, sich bekannt zu machen. Visitenkarte besaß er keine, er deutete leere Taschen an. Unbekümmert und locker erzählte er zwischen den Gängen zum Buffet: Bengalische Wurzeln, aufgewachsen in USA, Studium der Philosophie in Berkeley, ein Jahr Philosophie-Studium in Berlin und aktuell Mönch und Professor für Philosophie an der Ramakrishna University in Belur Math. Der Respekt wuchs, das Gebiet der Philosophie unvorbereitet zu betreten, war zu riskant. Der Namen war leicht zu merken: Ayon Maharaj. Am Tisch blieb es beim Smalltalk, lustigen Witzen und aufgeräumter Unterhaltung mit den Herren Professoren.

Was bewegt den jungen Mann aus den USA dazu, deutsche und indische Philosophen zu erforschen?

Einige Tage später liefert Google weitere Informationen:
Ayon Maharaj ist Assistenzprofessor und Leiter des Lehrstuhls für Philosophie an der Ramakrishna Mission Vivekananda University in Belur Math. Er ist gleichzeitig ein Brahmacharin („Jünger“), mit dem Namen Buddhachaitanya, in der Ausbildung zum Sannyasin (Mönch) des Ramakrishna Ordens. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind interkulturelle Philosophie, Religionsphilosophie, deutsche Philosophie, indische Philosophie, indische Schrifthermeneutik und die Philosophien von Sri Ramakrishna, Swami Vivekananda und Sri Aurobindo (Philosoph und Guru, Gründer eines Ashrams in Pondicherry, südlich von Chennai).

Ayon Maharaj schrieb das Buch „The Dialectics of Aesthetic Agency: Revaluating German Aesthetics from Kant to Adorno“ (Dialektik der ästhetischen Handlung: Neubewertung der deutschen Ästhetik von Kant bis zu Adorno). Seine Artikel erschienen in renommierten Zeitschriften. Er hat seinen BA (2002) und PhD (2009) an der University of California, Berkeley, gemacht. Vorher war er Fulbright-Stipendiat am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität Berlin (2006-2007) und Visiting Student am Magdalen College der University of Oxford (2000-2001).

Ayon Maharaj arbeitet am Abschluss eines zweiten Buchprojektes. Der junge Mann erforscht die Pfade einiger der bedeutendsten deutschen und indischen Denker und darüber hinaus. Er hat zugesagt die Besuchergruppe des Indo-German Art Forums während des Besuchs in Belur Math für ein zwangloses Gespräch zu treffen.

10.9.17

Tagore (1861-1941): Dichter, Philosoph, Komponist (d)


Rabindranath Tagore wurde am 7. Mai 1861 in Kolkata als zweitjüngstes von fünfzehn Kindern seines Vaters Debendranath Tagore (1817–1905) und seiner Mutter Sarada Devi (1830–1875) geboren. Allerdings starben seine älteste Schwester und sein jüngster Bruder sehr früh, so dass er das jüngste Kind der überlebenden dreizehn Geschwister war. Sein Großvater Dwarkanath (1794–1846) genoss hohes Ansehen in Bengalen, war gebildet und erwarb ein großes Vermögen. Er führte ein großes Haus, unterstützte soziale, kulturelle und Bildungs­einrichtungen. Dwarkanath und seine Söhne, namentlich Debendranath, waren maßgeblich in der religiösen Reformbewegung Brahmo Samaj engagiert, die sich gegen überholte Kastenvorschriften wandte und auch das geistig unabhängige Denken des jungen Rabindranath prägte. Bei seinem Tod hinterließ der Großvater hohe Schulden, die von Debendranath in der Folgezeit abgetragen werden mussten. Die Familie konnte aber das große Haus in Jorasanko, Rabindranath Tagores Geburtshaus, erhalten. 

Jugend
Rabindranath wuchs vor allem unter dem Einfluss seiner älteren Geschwister und deren Familien auf. Seine Mutter starb früh, der Vater war ständig auf Reisen. Dem Schulunterricht entzog er sich oft, wechselte häufig die Schulen und erhielt häusliche Erziehung. Aber das lebendige, gebildete Umfeld inspirierte ihn und er genoss es, seinen eigenen Neigungen nachzugehen. Das begabte Kind demonstrierte früh seinen starken eigenen Ausdrucks­willen. Mit acht Jahren schrieb er frühe Gedichte. Werke, die er mit 12 Jahren verfasste, wurden bereits publiziert. Unter einem Pseudonym schrieb er mit 16 erstmals bedeutende Gedichte, Kurzgeschichten und Dramen.

Mit 17 (1878) reiste er mit seinem Bruder Satyendranath nach England, lebte dort mit Mitgliedern der Großfamilie und schrieb sich für ein Jurastudium ein. Das Studium betrieb er extensiv und befasste sich lieber mit englischer Literatur und der Lyrik englischer Romantiker. Ohne Abschluss kehrte er 1880 nach Bengalen zurück. Aber die intensive Beschäftigung mit der englischen Literatur und Sprache erweiterten seinen Horizont und seine sprachlichen und dichterischen Fähigkeiten.

Familiengründung und frühe Werke
Die Familie kümmerte sich nach seiner Rückkehr entsprechend der indischen Tradition um eine Heirat, um dem Leben des jungen Mannes einen Halt zu geben. Sie verheiratete ihn am 9. Dez. 1883 mit der 10-jährigen Mrinalini Devi (1874–1902), mit der er später fünf Kinder bekam.

Rabindranath reiste viel, alleine und auch mit seiner Familie, und erlebte eine Phase hoher schöpferischer Produktivität. Von 1881 bis 1890 schrieb er neun Dramen. Er betätigte sich engagiert für die Brahmo-Bewegung, verfasste Lieder und Essays, in denen er gegen die damals übliche Kinderheirat polemisierte – obwohl er selbst mit einer Kindfrau vermählt wurde – und den konservativen Hinduismus angriff. 


1890 übernahm Rabindranath die Verwaltung des umfangreichen Landbesitzes in Shilaida, in einer Region, die heute zu Bangladesh gehört. Als Landgraf durchquerte er die Ländereien, lebte im komfortablen Hausboot der Familie, sammelte Pachtzins ein, lobte die Landbewohner, die ihm zu Ehren Feste veranstalteten. Diese Jahre waren eine sehr kreative Zeit für ihn. Er schrieb mehr als die Hälfte der Geschichten seines dreibändigen Werkes Galpaguchchha, in denen er viele Themen des ländlichen Lebens in Bengalen aufgreift. Er verharrte aber nicht in der Rolle eines nostalgischen Beobachters, sondern setzte sich energisch für Verbesserung der Lebensverhältnisse auf dem Lande ein, gründete Banken, Genossenschaften, Schulen, Krankenhäuser und kümmerte sich um den Ausbau der Verkehrswege. 


Santiniketan
Unzufrieden mit dem indischen Schulsystem machte Rabindranath die Erziehung seiner eigenen Kinder zur persönlichen Aufgabe. Die für sie angestellten Privatlehrer bildete er weiter und unterrichtete oft selbst. Die Familie verließ 1901 Shilaida und zog auf den Familienbesitz bei Santiniketan um, 150 Kilometer nordwestlich von Kolkata. Er gründete dort im selben Jahr eine Schule, in der zunächst vor allem seine Kinder unterrichtet wurden.

Es folgte eine Zeit schwerer Schicksalsschläge. 1902 starb seine Frau Mrinalini nach 19jähriger Ehe, wenige Monate später folgte ihr seine zweitälteste Tochter Renuka infolge einer Tuberkulose-Erkrankung. 1905 starb der Vater und 1907 nahm ihm die Cholera seinen jüngsten Sohn.

Trotz politisch unruhiger Zeiten, seines eigenen Engagements in der Politik, der Schicksalsschläge in der Familie und nicht zuletzt finanzieller Schwierigkeiten verfolgte er weiter sein Schulprojekt und baute es aus. Er unterstützte die nationale Bewegung u. a. mit einem Protestlied gegen die Teilung Bengalens durch Lord Curzon, den Vizekönig von Indien. Er blieb aber immer gemäßigt und konzentrierte sich ab 1907 wieder auf sein Schulprojekt und seine literarische Arbeit. Die Anerkennung für sein Werk wuchs. Es fanden sich Mitarbeiter, die seinen Ideen folgten und ihn unterstützten, er lebte selbst in der Schulgemeinschaft, die 1908 schon aus 50 Personen bestand. Rabindranath Tagore entwickelte in dieser Zeit eigene Schulbücher, die bis heute an den Schulen in Bengalen verwendet werden.

Nobelpreis
1912 unternahm der Dichter mit Sohn Rathindranath und dessen Frau eine lange Reise nach England und in die USA. Die Reise sollte einerseits der Erholung dienen, denn mit seiner Gesundheit stand es nicht zum Besten, sie sollte ihn auch ablenken und auf neue Ideen bringen. 


Vor und während der langen Seereise übersetzte er einige seiner Gedichte ins Englische. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war sein Werk – in bengalischer Sprache – den Europäern unbekannt und unzugänglich. Die Übersetzungen hielten sich nicht an die Versform der Originale, sondern waren in einer rhythmischen Prosa verfasst und oftmals sehr frei formuliert. In London brachte ihr Gastgeber, der englische Maler William Rothenstein, die indischen Besucher mit einer Reihe namhafter Künstler und Intellektueller zusammen, darunter der irische Schriftsteller William Butler Yeats (Literaturnobelpreis 1923), der amerikanische Dichter Ezra Pound, der irisch-britische Autor George Bernhard Shaw (Literaturnobelpreis 1925). Bei einer dieser Gelegenheiten wurden Tagores Gedichte in Englisch vorgetragen und das kompetente Publikum war beeindruckt. Insbesondere Yeats engagierte sich, redigierte Tagores Gedichte und sorgte zusammen mit Rothenstein und Arthur Fox Strangways für die erfolgreiche Herausgabe des Gedichtbandes Gitanjali bei der India Society. Anfang 1913 folgte die Veröffentlichung für den Buchhandel. Der Erfolg ermutigte Tagore im selben Jahr noch zu weiteren englischsprachigen Veröffentlichungen. Die für europäische Leser völlig unbekannte Metaphorik beeindruckte das Publikum in England.

Nach dem anschließenden langen Aufenthalt in den USA kehrte Rabindranath noch einmal für einige Monate nach England zurück, bevor er im Oktober 1913 heim nach Indien reiste. Dort erfuhr er im November, dass ihm der Literatur-Nobelpreis für den Gedichtband Gitanjali zuerkannt worden war. Erstmals erhielt ein Asiate, ein Inder, den Nobelpreis für Literatur. Das brachte ihm in Indien großes Ansehen ein.

Reisen, Besuche in München
In den folgenden Jahren erschienen über 20 Bücher mit Rabindranaths Werken in englischer Sprache. Auch in anderen europäischen Sprachen erschienen die Bücher, wurden allerdings aus dem Englischen übersetzt. In Deutschland gab der Kurt Wolff Verlag in den 1920er Jahren eine achtbändige Werkausgabe heraus.

Der mit dem Nobelpreis rasch wachsende Ruhm in Asien und Europa motivierte Rabindranath, sein Schulprojekt zur Universität auszuweiten. Auf den folgenden Vortragsreisen durch Asien, Europa und USA plädierte er für eine Synthese der positiven Elemente östlichen und westlichen Denkens und warb für seine neue Schule Visvabharati in Santiniketan. Er nutzte seine neue Bekanntheit, um Förderer zu finden und Geld für deren Unterhalt zu sammeln. 1921 konnte mit dem Unterricht begonnen werden. 

Rabindranth Tagore (mit Devika Rani Rai) in München 1930, Eintrag im Goldenen Buch der Stadt (Foto: Florian Peljak)
Tagore und Oskar von Miller vor dem Deutschen Museum in München 1930 ( Foto: Stadtarchiv, München)

Auf seinen Reisen besuchte er mehrmals Deutschland und München: Am 7. Juni 1921 hielt er einen Vortrag im Auditiorium Maximimum der Universität München, am 16. September 1926 ist ein Vortrag im Odeon dokumentiert und zwischen dem 21. bis 26. Juli 1930 besuchte er u. a. die Oberammergauer Passionsspiele, hielt wieder eine Rede im Audimax der Universität, besuchte das Deutsche Museum zusammen mit dem Gründer Oskar von Miller und ein Frühstück mit dem Oberbürgermeister Scharnagl und dem Indologen Scherman.

1921 und 1926 reiste er auch nach Prag, wo er u. a. den österreichischen Indologen Moriz Winternitz traf, der 1922 Tagores Einladung nach Shantiniketan folgte und dort ein Jahr lang lehrte.

Späte Jahre
Im Alter entdeckte Rabindranath das Zeichnen und Malen für sich – es entstanden expressionistische Arbeiten, die auf Ausstellungen Anerkennung fanden, in seinem Umfeld teilweise auf Unverständnis stießen. Er selbst wurde eher zu den Ausstellungen gedrängt als dass er sich proaktiv als bildender Künstler präsentierte. 


Schwere Krankheiten bedrohten bereits 1937 und 1940 sein Leben. Nach einer erfolglosen Operation im Juli 1941 starb Rabindranath am 7. August 1941 in seinem Geburtshaus.

Rabindranath Tagore in Sri Lanka, 1930 (Foto: Rabindra Bhavana, Vishva Bharati, Santiniketan)

Nachruhm
Die ersten fünf Strophen des von Tagore vertonten Gedichts „Jana Gana Mana“ (Herrscher über den Geist des Volkes), das er 1911 zum Besuch von König George V. geschrieben hatte, wurden 1950 offiziell durch die verfassunggebende Versammlung als Nationalhymne Indiens angenommen.

Auch Bangladesh, das 1971 seine Unabhängigkeit erlangte, vereinnahmte den bengalischen Dichter. Ein Lied, das Tagore 1906 nach der Teilung Bengalens schrieb, wurde 1972 als offizielle Nationalhymne Bangladeshs festgelegt: Amar Sonar Bangla (Mein goldenes Bengalen). So wurde Tagore zum weltweit einzigen Dichter und Komponisten der Nationalhymnen zweier Länder. Das zeigt die grenzüberschreitende Verehrung des bengalischen Kabiguru (
„Dichterfürst“), die zuletzt besonders im Jahr 2011, dem Jahr seines 150. Geburtstages und seines 70. Todestages, in beiden Ländern betont und gepflegt wurde. 

Quelle: Kurzbiografie aus Moritz Winternitz, Rabindranath Tagore - Religion und Weltanschauung des Dichters (Original 1936) e-Book Edition 2014, Hg. Philipp Grieb, ITRedaktion.de.

3.9.17

Swami Vivekananda (1863-1905): Religious Reformer (e/d)

Vivekananda, the great philosopher and religious reformer, was the son of a lawyer in Kolkata, the spiritual center of colonial India. As early as in his college years from 1880 onwards, he dealt with western philosophers and intellectuals such as Hegel and Herbert Spencer. At the age of 18 he first met the mystic Ramakrishna in the Kali-Temple Dakshineshwar, whom he approached only skeptically. Later he became his closest disciple and follower. After the death of his master in 1886, Vivekananda went on a religious pilgrimage throughout India. In 1893 he stayed in the USA and came as an unknown participant to the World Parliament of Religions at the World's Columbian Exposition in Chicago. His lecture attracted a great deal of attention and he then became known to a wide audience in the West as a brilliant new representative of Indian religiosity.
Swami Vivekananda (1863-1905): Erneuerer des Hinduismus, Ost-West-Brückenbauer
In his speech there, Vivekananda portrayed Hinduism as a world religion open to all people, with a philosophical core. He also addressed other contemporary questions, such as the relationship between Hinduism and other religions, or the relationship between Hinduism and the newly established natural sciences. His ideas were based on the philosophy of Vedanta, or more precisely the tradition of the classical Advaita Vedanta from the 8th century, which he redefined. Vedanta is the name for one of the philosophical systems of Hinduism. The Advaita Vedanta is the most important development in this respect. The Sanskrit word "advaita" means "non-two" or "non-dual". Advaita Vedanta is therefore a monistic system that reduces the world to a single principle.

Intellectual relationship with Paul Deussen
In this interpretation, Vivekananda's ideas met with the view point of the German indologist and philosopher Paul Deussen, who has been researching and publishing the systems of Vedanta  and the comments of Shankara (788-820) since the 1880s. Shankara was the most important scholar of Advaita Vendanta. Deussen is considered the first Western scholar to place Indian thinking on the side of Western philosophy on equal level. This led to Vivekananda visiting Paul Deussen in Kiel on a European tour in September 1896 and travelling to London together.

During Vivekananda's activities in the United States, the perception of his own mission gradually changed. In his view, the Indian religion was important for America and the West, and so he developed the idea of a world mission, which he founded in 1897 under the name Ramakrishna Mission. It was to teach the Vedanta, which Vivekananda interpreted as universal. According to his reinterpretation, spirituality was compatible with materialism, progress with faith, science with mysticism and work with reflection.

His work continues today in Belur Math, Kolkata and more than 180 branches of the Order of Ramakrishna Math and the Ramakrishna Mission.

Sources:
Wikipedia and Paul Deussen: Mein Leben, 1922, new edition as e-Book at Amazon.de, 2013.

German:
Vivekananda, der große indische Philosoph and religiöse Reformer, war der Sohn eines Rechtsanwalts in Kolkata, dem geistigen Zentrum des kolonialen Indiens. Er setzte sich schon in seinen College-Jahren ab 1880 mit westlichen Philosophen und Intellektuellen wie Hegel und Herbert Spencer auseinander. Im Alter von 18 Jahren traf er erstmals den Mystiker Ramakrishna im Kali-Tempel Dakshineshwar, dem er sich zunächst nur skeptisch näherte. Später wurde er zu seinem engsten Schüler und Anhänger. Nach dem Tod seines Meisters 1886 ging Vivekananda auf eine religiöse Pilgerreise durch ganz Indien. 1893 hielt er sich in den USA auf und kam als unbekannter Teilnehmer zum Weltparlament der Religionen bei der World’s Columbian Exposition in Chicago. Sein Vortrag erregte höchste Aufmerksamkeit und er wurde danach als strahlender neuer Vertreter indischer Religiosität einem breiten Publikum im Westen bekannt.

In seiner Ansprache dort stellte Vivekananda den Hinduismus als eine allen Menschen offene Weltreligion dar, mit einem philosophischen Kern. Dabei ging er auch auf andere, zeitgenössische Fragen ein, wie die Frage nach dem Verhältnis des Hinduismus zu anderen Religionen, beziehungsweise die Frage nach dem Verhältnis von Hinduismus zu den damals neu etablierten Naturwissenschaften. Seine Ideen basierten auf der Philosophie des Vedanta, genauer der Tradition des klassischen Advaita Vedanta aus der Zeit des 8 Jahrhunderts, die er neu bestimmte. Vedanta ist die Bezeichnung für eines der philosophischen Systeme des Hinduismus. Der Advaita Vedanta ist dabei eine Ausprägung, die heute als die bedeutendste gilt. Das Sanskrit-Wort „advaita“ bedeutet „nicht-zwei“ bzw. „nicht-dual“. Beim Advaita Vedanta handelt es sich demgemäß um ein monistisches System, das die Welt auf ein einziges Prinzip zurückführt.

Geistesverwandtschaft mit Paul Deussen
Bei dieser Interpretation trafen sich die Ideen Vivekanandas mit der Sichtweise des deutschen Indologen und Philosophen Paul Deussen, der seit den 1880er Jahren über die Systeme des Vedanta und die Kommentare des Shankara (788-820), dem bedeutendsten Gelehrten des Advaita Vendanta, forschte und publizierte. Deussen gilt als erster westlicher Gelehrter, der das indische Denken der abendländischen Philosophie gleichwertig an die Seite stellte. Dies führte dazu, dass Vivekananda auf einer Europareise im September 1896 Paul Deussen in Kiel besuchte und beide zusammen nach London weiterreisten.
Während Vivekanandas Aktivitäten in den Vereinigten Staaten änderte sich sein Verständnis der eigenen Mission. Seiner Ansicht nach war die indische Religion für Amerika und den Westen wichtig, und so entwickelte er den Gedanken einer Weltmission, die er 1897 unter dem Namen Ramakrishna Mission gründete. Sie sollte den Vedanta lehren, den Vivekananda universal auslegte. Nach seiner Neuinterpretation war Spiritualität mit Materialismus, Fortschritt mit Glauben, Wissenschaft mit Mystik und Arbeit mit Nachdenken vereinbar. 

Sein Werk lebt heute in Belur Math, Kolkata und über 180 Niederlassungen des Ordens Ramakrishna Math und der Ramakrishna Mission fort.

Quellen: 
Wikipedia und Paul Deussen: Mein Leben, 1922, Neuausgabe als e-Book bei Amazon.de, 2013.

2.9.17

Belur Math - Center of a new Hinduism (e/d)

Belur Math, destination of a sightseeing tour for the participants of the Indo-German Art Forum, is a Hindu monastery (Math) in the north of Haoras, the neighbouring city on the west bank of the Ganges-Arm Hugli. It was established in 1899 as the seat of the Ramakrishna Mission, founded two years earlier by Vivekananda, and is also the seat of the monastic order of Ramakrishna Math.
The complex consists of a large prayer hall (main temple) with Ramakrishna statue. The exterior combines elements of a church and a mosque, the completely empty interior is used by many visitors for meditation purposes. In addition, there are numerous small temples and shrines. Behind the main temple there are administration buildings of the local organizations and monks' houses.
There is a permanent ferry connection from Belur Math to the Dakshineshwar, the Kali-Temple and residence of Ramakrishna (1836-1886), the leading figure of the Ramakrishna Order, situated a little upstream on the other side of the Hugli river. (Source: Wikipedia)

Haupttempel von Belur Math (Foto: Wikipedia)
Ramakrishna Math and Ramakrishna Mission are twin organizations forming the core of a worldwide spiritual movement, which aims at the harmony of religions, harmony of the East and the West, harmony of the ancient and the modern, spiritual fulfillment, all-round development of human faculties, social equality, and peace for all humanity, without any distinctions of creed, caste, race or nationality.

Ramakrishna Math is a monastic organization for men brought into existence by Ramakrishna (1836-1886), the great 19th century Hindu saint of Bengal who is regarded as the prophet of the modern age.

Ramakrishna Mission is a registered society in which monks of Ramakrishna Math and lay devotees cooperate in conducting various types of social service mainly in India. It was founded by Ramakrishna's chief apostle, Swami Vivekananda (1863-1902), a worldwide renowned thinker, religious leader of the 19th century and open minded reformer of the Hindu religion.
Although Ramakrishna Math and Ramakrishna Mission are legally and financially separate, they are closely inter-related in several other ways, and are to be regarded as twin organizations. The Math and the Mission together have today more than 180 branch centres all over India and in different parts of the world including Germany. (Source: http://www.belurmath.org

German
Belur Math, Ziel einer Besichtigungstour für die Teilnehmer des Indo-German Art Forums, ist eine hinduistische Klosteranlage (Math), eine weitläufige Anlage im Norden Haoras, der Nachbarstadt Kolkatas am Westufer des Ganges-Arms Hugli. Sie wurde 1899 als Sitz der zwei Jahre zuvor von Vivekananda gegründeten Ramakrishna-Mission etabliert und ist ebenfalls Sitz des Mönchordens Ramakrishna Math.

Der Komplex besteht aus einer großen Gebetshalle (Haupttempel) mit Ramakrishna-Statue. Das äußere Erscheinungsbild vereint Elemente einer Kirche wie auch einer Moschee, der völlig leere Innenraum wird von vielen Besuchern zu Meditationszwecken genutzt. Hinzu kommen zahlreiche kleine Tempel und Schreine. Auf dem Gelände befinden sich hinter dem Haupttempel die Verwaltungsgebäude der ansässigen Organisationen sowie Wohnhäuser der Mönche.
Es gibt eine ständige Fährverbindung von Belur Math zum etwas flussaufwärts auf der anderen Seite des Hugli gelegenen Dakshineshwar, dem Kali-Tempel und ehemaligen Wohnsitz Ramakrishnas (1836-1886), der Leitfigur des Ramakrishna-Ordens (Quelle: Wikipedia)

Ramakrishna Math und Ramakrishna Mission sind Zwillingsorganisationen, die den Kern der weltweiten spirituellen Bewegung Vivekanandas bilden, die auf die Harmonie der Religionen, die Harmonie des Ostens und des Westens, die Harmonie der alten und der modernen, spirituellen Erfüllung, die allseitige Entwicklung menschlicher Fähigkeiten, die soziale Gleichberechtigung und den Frieden für die ganze Menschheit ohne jede Unterscheidung des Glaubens zielt.
Ramakrishna Math ist ein klösterlicher Orden für Männer, der von Sri Ramakrishna (1836-1886) ins Leben gerufen wurde, dem großen Hindu-Heiligen des 19. Jahrhunderts aus Bengalen, der als Prophet der Neuzeit gilt.
Die Ramakrishna Mission ist ein eingetragener Verein, in dem Mönche von Ramakrishna Math und ehrenamtliche Laien bei der Durchführung verschiedener sozialer Dienste vor allem in Indien und weltweit (auch in Deutschland) kooperieren. Sie wurde von Ramakrishnas Schüler Swami Vivekananda (1863-1902) gegründet, dem weltweit geachteten indischen Denker und religiösen Führer des 19. Jahrhunderts, der als bedeutender, weltoffener Reformer der Hindureligion gilt.
Obwohl Ramakrishna Math und Ramakrishna Mission rechtlich und finanziell getrennt sind, sind sie auf verschiedene Weise eng miteinander verbunden und gelten als Zwillingsorganisationen. Math und Mission betreiben heute zusammen mehr als 180 Niederlassungen in ganz Indien und in verschiedenen Ländern der Welt, einschließlich Deutschland. (Quelle: http://www.belurmath.org)

10.8.17

Kolkata - Center of cultural Exchange (e/d)

In the 18th and 19th century European scholars began to explore the vedic and classic Sanskrit literature of India, starting with the British William Jones in Kolkata and continued by many more. The German Max Müller who moved to Oxford in 1846 became an eminent researcher and publisher of the oldest Indian language document, the "Rigveda". Later he collected 50 volumes of the "Sacred books of the East" and provided many translations. Since that time scholars and intellectuals of Europe and Germany looked at India's cultural history with high admiration.

During that period till 1911 Kolkata was the capital of British India. It became a blooming center of trade and cultural exchange. This era was later called Bengal Renaissance. It was the time when Kolkata’s great sons Swami Vivekananda (1863-1905) and Rabindranath Tagore (1861-1941) among others turned their eyes, ears and voice to the west and other cultures of the world. Both earned highest appreciation for their words and ideas when they traveled abroad and spoke to intellectual audiences. They taught the benefits of cultural exchange and the values for those involved.

With the opening of the Suez Canal in 1869 the economic rise of Mumbai began and Kolkata lost its role as leading harbour. In 1911 Delhi became India's capital and Kolkata's economically flourishing period ended. But the city's role as a leading cultural center continued and still today Kolkata benefits from its splendid history. As a religiously and ethnically diverse center the city maintains strong local traditions in drama, art, music, film, theatre, and literature. Many strong personalities  - among them several Nobel laureates - have contributed to extraordinary achievements in the arts and sciences:

Rabindranath Tagore (1861–1941): Literature, drama, music, fine arts, education, Nobel Prize Literature 1913
Swami Vivekananda (1863–1902): Philosophy, religious reformer, founder of social and educational institutions
Ram Mohan Roy (1772–1833): Religious and social reformer
C. V. Raman (1888-1970): Physics, Nobel Prize Physics 1930
Ravi Shankar (1920-2012): Music
Amartya Sen (1933-today): Nobel Prize in Economics 1998
Mother Theresa: Nobel Peace Prize 1979

The perception of Kolkata in today's media has been shaped by the social work of Mother Theresa. The so-called "mother of the slums" has been more present in the western media than any other of these Bengal personalities in recent decades. The Nobel Prize for her work and the Vatican's canonization coined Kolkata's image as a slum capital overshadowing many of its cultural or intellectual achievements.


A recent article (German) in Welt.de titled „Mutter Teresa – Kalkuttas heiliger Albtraum“ (Mother Teresa - Calcutta's sacred nightmare) deals with this unwanted effect of Mother Theresa' fame on the reputation of the city, whose slums are not worse than those of other metropolitan areas in India and Asia. The huge financial gap between the poor and the rich upper class is a general South-Asian issue and not Kolkata
specific.

German
Im 18. und 19. Jahrhundert begannen europäische Gelehrte, die vedische und klassische Sanskrit-Literatur Indiens zu erforschen, angefangen beim Briten William Jones in Kalkutta und fortgesetzt von vielen mehr. Der deutsche Max Müller, der 1846 nach Oxford übersiedelte, wurde ein bedeutender Forscher und Herausgeber des ältesten Dokumentes in indischer Sprache, der "Rigveda". Später sammelte er 50 Bände der "Sacred Books of the East" und lieferte viele Übersetzungen. Seither haben Gelehrte und Intellektuelle aus Europa und Deutschland auf Indiens Kulturgeschichte mit großer Bewunderung geschaut.

In dieser Zeit bis 1911 war Kolkata die Hauptstadt Britisch-Indiens. Die Stadt wurde zu einem blühenden Zentrum des Handels und des kulturellen Austauschs. Diese Epoche wurde später als bengalische Renaissance bezeichnet. Es war die Zeit, in der Kolkata's große Söhne Swami Vivekananda (1863-1905) und Rabindranath Tagore (1861-1941) ihre Augen, Ohren und ihre Stimme dem Westen und anderen Kulturen der Welt zuwandten. Beide haben sie sich höchste Wertschätzung erworben für ihre Reden und Ideen, wenn sie ins Ausland gereist sind und vor einem intellektuellen Publikum gesprochen haben. Sie erklärten uns den Nutzen kulturellen Austauschs und den Gewinn für alle Beteiligten. 


Mit der Eröffnung des Suezkanals 1869 begann der wirtschaftliche Aufstieg Mumbais und Kolkata verlor seine Rolle als führender Hafen. 1911 wurde Delhi die Hauptstadt Indiens und die wirtschaftliche Blütezeit von Kolkata endete. Doch die Rolle der Stadt als führendes kulturelles Zentrum blieb erhalten, und auch heute noch profitiert Kolkata von seiner glanzvollen Geschichte. Als religiös und ethnisch vielfältiges Zentrum pflegt die Stadt starke lokale Traditionen in den Bereichen Drama, Kunst, Musik, Film, Theater und Literatur. Viele herausragende Persönlichkeiten - darunter mehrere Nobelpreisträger - haben außergewöhnliche Leistungen in Kunst und Wissenschaft erbracht:

Rabindranath Tagore (1861-1941): Literatur, Theater, Musik, bildende Kunst, Bildung, Nobelpreis Literatur 1913
Swami Vivekananda (1863-1902): Philosophie, religiöse Reformen, Gründung von Sozial- und Bildungseinrichtungen
Ram Mohan Roy (1772-1833): Religiöser und sozialer Reformer
C. V. Raman (1888-1970): Physik, Nobelpreis Physik 1930
Ravi Shankar (1920-2012): Musik
Amartya Sen (1933-heute): Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 1998
Mutter Theresa: Friedensnobelpreis 1979


Die Wahrnehmung von Kalkutta in den heutigen Medien ist durch die Sozialarbeit von Mutter Theresia geprägt. Die sogenannte "Mutter der Slums" war in den westlichen Medien in den letzten Jahrzehnten präsenter als jede andere der bengalischen Persönlichkeiten. Der Nobelpreis für ihr Werk und die Heiligsprechung durch den Vatikan prägten das Bild von Kolkata als Hauptstadt des Elends, das viele seiner kulturellen oder intellektuellen Errungenschaften überschattete.

Ein kürzlich erschienener Artikel in Welt.de mit dem Titel 
„Mutter Teresa – Kalkuttas heiliger Albtraum“ thematisiert diesen unerwünschten Effekt von Mutter Theresas Ruhm auf den Ruf der Stadt, deren Slums nicht schlimmer sind als die anderer Metropolen in Indien und Asien. Die große finanzielle Kluft zwischen den Armen und der reichen Oberschicht ist eine allgemein südasiatisches Problem und nicht Kolkata-spezifisch.

7.8.17

Oswald Malura: Painting in India 1930-32 (e/d)

When the young Oswald Malura (1906 - 2003) finished his studies at the Munich Art Academy he was awarded a travel sponsorship, honoring his exceptional talent. At that time such opportunities would have been used by art students to explore Italy or Paris. Not so Malura - his dreamland was  India.

In June 1930 he left Munich, spent 14 months in Ceylon (today Sri Lanka), painted and traveled from Colombo in the south up to Cashmere in the north and Calcutta in the east. From there he went to see the Vishvabharati University in Shantiniketan, met Rabindranath Tagore and portrayed him. He also had intense talks with Abanindranath Tagore and Nandalal Bose, famous bengal artists and directors at the Art Department of Vishvabharati. He returned via Bombay from India in December 1932 to arrive in Munich a few days before Christmas. He wrote down his memories later in the book "Als Maler durch Indien" (1949, Broschek Verlag, Hamburg, vergriffen).
Rabindranath Tagore, Zeichnung Oswald Malura, Shantiniketan1932, (c) Oswald Malura Museum, Oberdießen, Foto: Philipp Grieb
In 1958 Malura built a house and studio in the small village Oberdießen, 75 km west of Munich. 20 years later he acquired an old farmhouse to turn it into a home of cultural events. It became partly a museum, showing Maluras art. Under direction of Malura's son Andrew today it includes also a gallery presenting changing exhibitons of regional artists.

In 2012 on the occasion of Rabindranath Tagores 150th birthday a special show reminded Malura's journey through India with sample works from that period. Support of the Consul General of India in Munich allowed to present a faksimile collection of Tagore works as part of the exhibition. Sujatha Singh, Ambassador of India in Germany, inaugurated the event in April 2012.

In October 2012 Shuvaprasanna, founder of Arts Acre Foundation, filmmaker Goutam Ghose and son Ishan visited the Malura Museum and Studio on their journey through Germany. It led them from Lübeck in the north via Dresden to Augsburg and Munich in the south to do shootings for the film "Shuva & me".

Shuvaprasanna, Brigitta Ramböck (Curator), Andrew Malura (Director, Oswald Malura's son) at Malura Museum in Oberdießen. (Photo: Philipp Grieb)
German
Als der junge Oswald Malura (1906 - 2003) sein Studium an der Münchner Kunstakademie beendete, erhielt er ein Reisestipendium. Die Akademie honorierte damit sein außergewöhnliches Talent. Damals hätten Kunststudenten solche Gelegenheiten genutzt, um Italien oder Paris zu erkunden. Nicht so Malura - sein Traumland war Indien.

Im Juni 1930 verließ er München, verbrachte 14 Monate in Ceylon (heute Sri Lanka), malte und reiste von Colombo im Süden bis nach Kaschmir im Norden und Kalkutta im Osten. Von dort aus besuchte er die Vishvabharati Universität in Shantiniketan, traf Rabindranath Tagore und porträtierte ihn. Er führte u. a. ausführliche Gespräche mit Abanindranath Tagore und Nandalal Bose, berühmten bengalischen Künstlern und Direktoren der Abteilung Kunst von Vishvabharati. Im Dezember 1932 kehrte er über Bombay aus Indien zurück, um wenige Tage vor Weihnachten in München anzukommen. Seine Erinnerungen notierte er später in dem Buch "Als Maler durch Indien" (1949, Broschek Verlag, Hamburg, vergriffen).

1958 baute Malura ein Haus und Atelier im kleinen Dorf Oberdießen, 75 km westlich von München. 20 Jahre später erwarb er ein altes Bauernhaus im Ort, um es zu einem Kulturzentrum zu machen. Es wurde inzwischen teilweise zu einem Museum, das Maluras Kunst zeigte. Unter der Leitung von Maluras Sohn Andrew befindet sich heute darin auch eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen regionaler Künstler.

Anlässlich des 150. Geburtstages von Rabindranath Tagores erinnerte 2012 eine Sonderschau an Maluras Reise durch Indien mit Werken aus dieser Zeit. Die Unterstützung des indischen Generalkonsuls in München erlaubte es, im Rahmen der Ausstellung eine Faksimile-Sammlung von Tagore-Werken zu präsentieren. Sujatha Singh, indische Botschafterin in Deutschland, eröffnete die Veranstaltung im April 2012.

Im Oktober 2012 besuchten Shuvaprasanna, Gründer der Arts Acre Foundation, der Filmemacher Goutam Ghose und Sohn Ishan das Malura Museum und sein Atelier auf ihrer Tour durch Deutschland. Diese Reise führte sie von Lübeck im Norden über Dresden nach Augsburg und München im Süden, um Aufnahmen für den Film "Shuva & me" zu machen.

5.8.17

Paul Deussen: Journey through India 1892-93 (e/d)

Paul Deussen is - together with Max Müller - one of a dozen most renowned German indologists of the 19th century. His work focused on the history of philosophy and vedic Indian literature.

Deussen was born in 1845 in the Westerwalddorf Oberdreis, 20 km north of Koblenz, as the son of a priest and grew up in the rural area. Later he visited the humanistic elite boarding school Schulpforta near the Saxon Naumburg together with Friedrich Nietzsche, who later became a famous philosopher and cultural critic. Nietzsche, also a priest's son, had already lost his father when he was five years old and lived in Naumburg with his mother, sister and grandmother. The friendship between the two from this schooling together lasted until Nietzsche's early death (1900).

First Deussen studied in Bonn, Tübingen and Berlin. Afterwards he worked as a grammar school teacher and tutor in Minden, Marburg and finally in Geneva, where he established himself as a private lecturer at the University of Sanskrit. His life took a regular course and in 1886 allowed him to marry his young wife Marie.
Paul Deussen and wife Marie  (Photo: www.friedrichnietzsche.de)

He then went on numerous and frequent trips with her, which took them all over Europe and beyond to Palestine and Egypt.

In 1889, Deussen was appointed professor in Kiel. This position offered him improved conditions for his scientific work and the means for further travel. His greatest journey followed in the winter of 1892/93. Deussen took half a year off and explored India with his wife. He describes this journey in his book "Erinnerungen an Indien" (Memories of India). From Bombay to Calcutta, it crosses the subcontinent from west to east and from the Himalayas in the north to Ceylon in the south. His notes describe the voyage of an upper-class India tourist at the end of the 19th century.
Swami Vivekananda
Deussen und Vivekananda
In his autobiography he describes the encounter with Swami Vivekananda, who visited him in Kiel on 9 September 1896. Since Vivekananda had made a surprising and highly acclaimed appearance as a charismatic representative of Indian religiosity at the World's Columbian Exposition in Chicago in 1893, Vivekananda had become known to a wide audience in the West. The young Indian, who had been studying western philosophers and intellectuals since his college years from 1880 onwards, and the German indologist and philosopher shared common ground in interpreting the Vedanta, one of the most important directions of Indian philosophy.  Both saw Advaita Vedanta as the "core of Hinduism". Afterwards, Deussen and Vivekananda spent days together on a journey to London via Bremen and Amsterdam.

On September 30, 1896, during this stay in London, the last meeting of Deussen and Max Müller took place. Müller died in 1900. The description of Deussens's encounters with these two great personalities, however, remains superficial.

Sources:
Paul Deussen, Erinnerungen an Indien, Neuausgabe des 1904 im Verlag von Lipsius & Tischer, Kiel, publizierten Werkes, mit Anmerkungen und Ergänzungen, Hg. Philipp Grieb, e-Book bei Amazon.de, 2013.
Paul Deussen, Mein Leben, Neuausgabe des 1922 im  F. A. Brockhaus Verlag publizierten Werkes, mit Anmerkungen und Ergänzungen, Hg. Philipp Grieb, e-Book bei Amazon.de, 2013

German
Paul Deussen zählt – neben Max Müller – zu einem knappen Dutzend bedeutender deutscher Indologen des 19. Jahrhunderts. Schwerpunkte seines Werks waren die Geschichte der Philosophie und die alte indische Literatur.

Deussen wurde 1845 im Westerwalddorf Oberdreis, 20 km nördlich von Koblenz, als Sohn eines Pfarrers geboren und wuchs in der ländlichen Umgebung auf. Später besuchte er gemeinsam mit dem gleichaltrigen Friedrich Nietzsche, dem später berühmten Philosophen und Kulturkritiker das humanistische Elite-Internat Schulpforta in der Nähe des sächsischen Naumburg. Nietzsche, ebenfalls Pfarrerssohn, hatte seinen Vater bereits als Fünfjähriger verloren, lebte damals mit Mutter, Schwester und Großmutter in Naumburg. Die Freundschaft zwischen den beiden aus dieser gemeinsamen Schulzeit währte bis zum frühen Lebensende Nietzsches (1900).

Das Studium führte Deussen nach Bonn, Tübingen und Berlin. Danach verdingte er sich als Gymnasial- und Hauslehrer in Minden, Marburg und schließlich Genf, wo er neben seiner Hauslehrerstelle als Privatdozent an der Universität Sanskrit lehrte und dieses Fach dort etablierte. Sein Leben nahm einen geregelten Gang und erlaubte ihm 1886 die Heirat mit seiner jungen Frau Marie.

Mit ihr unternahm er in der Folge zahlreiche und regelmäßige Reisen, die ihn durch ganz Europa und darüber hinaus bis nach Palästina und Ägypten führten.

1889 wurde Deussen als Ordinarius nach Kiel berufen. Diese Position bot ihm verbesserte Bedingungen für seine wissenschaftliche Arbeit und die Mittel für weitere Reisen. Seine größte Reise folgte im Winter 1892/93. Deussen ließ sich für ein halbes Jahr beurlauben und erkundete mit seiner Frau Indien. Diese Reise beschreibt er in seinem Buch "Erinnerungen an Indien". Von Bombay bis Kalkutta durchquert er den Subkontinent von West nach Ost und vom Himalaya im Norden bis Ceylon im Süden. Seine Aufzeichnungen beschreiben die Reise eines Indien-Touristen auf gehobenem Niveau am Ende des 19. Jahrhunderts.

Deussen und Vivekananda
In seiner Autobiografie beschreibt er u. a. die Begegnung mit Swami Vivekananda, der ihn am 9. September 1896 in Kiel besuchte. Seit er 1893 als ungeladener Gast bei der World's Columbian Exposition in Chicago einen überraschenden und viel umjubelten Auftritt als strahlender Vertreter indischer Religiosität hatte, war Vivekananda einem breiten Publikum im Westen bekannt geworden. Der junge Inder, der sich schon seit seinen Collegejahren ab 1880 mit westlichen Philosophen und Intellektuellen auseinandergesetzte hatte, und der deutsche Indologe und Philosoph teilten Gemeinsamkeiten bei der Interpretation des Vedanta, einer der wichtigsten  Richtungen indischer Philosophie. Sie sahen im Advaita Vedanta den „Kern des Hinduismus“. Deussen und Vivekananda verbrachten anschließend gemeinsame Tage auf dem Weg nach London via Bremen und Amsterdam.

Am 30. September 1896 kam es während dieser Reise in London zum letzten Zusammentreffen Deussens mit Max Müller. Müller starb im Jahr 1900. Die Beschreibung der Begegnungen Deussens mit diesen beiden großen Persönlichkeiten bleibt allerdings oberflächlich.

Quellen:
Paul Deussen, Erinnerungen an Indien, Neuausgabe des 1904 im Verlag von Lipsius & Tischer, Kiel, publizierten Werkes, mit Anmerkungen und Ergänzungen, Hg. Philipp Grieb, e-Book bei Amazon.de, 2013.
Paul Deussen, Mein Leben, Neuausgabe des 1922 im  F. A. Brockhaus Verlag publizierten Werkes, mit Anmerkungen und Ergänzungen, Hg. Philipp Grieb, e-Book bei Amazon.de, 2013